Liebe Freunde,
in den letzten Monaten ist viel passiert. Sehr viel.
Die Insolvenz der IO Hawk Invest GmbH hat verständlicherweise viele Fragen, Emotionen und auch Kritik ausgelöst. Ich habe unzählige Nachrichten von euch erhalten – ehrliche, kritische, unterstützende.
Heute möchte ich mir die Zeit nehmen, offen zu antworten. Ehrlich. Persönlich. Ohne Filter.
Im Internet wird aktuell sehr viel geschrieben. Leider auch vieles, was so einfach nicht stimmt.
Oft ist von Tausenden Geschädigten die Rede oder davon, dass Hunderte Menschen auf ihrem Geld sitzen bleiben.
Die Realität ist eine andere.
Die tatsächlichen Zahlen waren im Rahmen der Gläubigerversammlung einsehbar. Und auch wenn jede einzelne betroffene Person für mich eine zu viel ist – es entspricht schlicht nicht den Dimensionen, die teilweise dargestellt werden.
Was mich besonders trifft: Viele Stimmen kommen von Menschen, die nie ein Produkt von uns besessen haben.
Ich habe oft gelesen, dass mir Reue fehle.
Dazu möchte ich eines ganz klar sagen:
IO Hawk war nicht einfach nur eine Firma.
IO Hawk war ein Großteil meines Lebens.
Über 90 % meiner Zeit, meiner Energie, meiner Gedanken sind in diese Marke geflossen.
Wenn ihr mich fragt, was ich heute anders machen würde, bekommt ihr eine ehrliche Antwort.
Als wir 2021 die Kooperation mit Kaabo eingegangen sind und den Legend auf den Markt gebracht haben, war das ein Meilenstein.
Wir waren weltweit die Einzigen in dieser Form.
Das Produkt war anders. Mutig. Und erfolgreich.
Was dann passierte, war eine Dynamik, die kaum aufzuhalten war:
Und genau hier lag im Nachhinein einer der größten Fehler:
Wir sind zu schnell gewachsen.
Wir wollten mehr Modelle, mehr Innovation, mehr Marktanteile.
Aber wir hätten uns mehr Zeit nehmen müssen, um jedes einzelne Produkt noch besser zu machen.
Nach dem Brand hätte ich die Reißleine ziehen müssen.
Aus heutiger Sicht weiß ich das.
Aber ich habe mich dagegen entschieden.
Warum?
Weil es so viele von euch gab, die gesagt haben:
„Bitte mach weiter.“
Und weil ich nicht zulassen wollte, dass jemand, der Schaden angerichtet hat, am Ende „gewinnt“.
Ich habe daran geglaubt, dass wir es schaffen. Dass sich alles wieder stabilisiert.
Heute weiß ich:
Ich war zu gutgläubig.
Ein Punkt ist mir besonders wichtig:
Viele Menschen glauben, eine Insolvenz sei ein „einfacher Ausweg“.
Das ist sie nicht.
In den meisten Fällen haftet ein Geschäftsführer persönlich.
Auch ich.
Das bedeutet:
Das ist kein Neuanfang ohne Preis.
Das ist ein Einschnitt, der bleibt.
Trotz allem war mir eines immer wichtig:
Die Marke IO Hawk und eure Produkte in gute Hände zu übergeben.
Die Gespräche mit unseren Partnern – insbesondere mit Tao Motors, Kaabo und Vsett – gehörten zu den schwierigsten, aber auch wichtigsten Momenten.
Und ihre Reaktion hat mich tief beeindruckt:
„Wir haben nicht wegen der Stückzahlen mit euch gearbeitet – sondern wegen dir als Person und der gemeinsamen Vision.“
Das war für mich alles andere als selbstverständlich.
Die Ersatzteilversorgung ist gesichert.
Die Weiterentwicklung der Produkte ist gesichert.
Und ich darf euch sagen:
Nicht wie vorher.
Sondern bewusster. Klarer. Fokussierter.
Gemeinsam mit der Nextnel GmbH gehen wir einen neuen Weg:
Wir haben bewusst entschieden:
Das bedeutet auch:
Nicht alles wird sofort verfügbar sein.
Nicht alles wird maximal skaliert.
Aber alles, was wir tun, wird mit mehr Sorgfalt passieren.
Jeder Scooter wird geprüft.
Jede Auslieferung bewusst gesteuert.
Weniger Masse. Mehr Verantwortung.
Ich habe die letzten Monate genutzt, um erst einmal zur Ruhe zu kommen, und viel Zeit damit verbracht, die Prozesse an die Nextnel GmbH anzubinden.
Ich hatte unzählige Angebote aus Asien vorliegen und habe viele Gespräche mit meiner Frau geführt.
Vor einigen Tagen hatte ich ein sehr langes Gespräch mit dem ehemaligen Vice President von IO Hawk in den USA, der mich noch einmal ermutigt hat, IO Hawk in Europa nicht sterben zu lassen.
Wir haben uns gemeinsam – auch mit Teilen des ehemaligen Teams von IO Hawk sowie mit Lieferanten und Freunden – nach unzähligen Gesprächen dazu entschieden, dass die Reise weitergeht.
Aber wir werden nicht dort anknüpfen, wo wir aufgehört haben, sondern komplett neu beginnen.
Es war wirklich nicht leicht, mich zu überzeugen, denn am Anfang brauchte ich erst einmal Abstand von allem.
Die letzte Entscheidung und das finale Go kamen von Simone, der ich zu tiefem Dank verpflichtet bin, denn in meiner neuen Position bedeutet es auch, dass ich sehr viel Zeit hier in Asien verbringen werde.
Mein großer Dank gilt auch Herrn Drenkelfort, der viele Prozesse im Rahmen der Nextnel vorangetrieben und schlussendlich das Zepter an Simone übergeben hat.
Die Nextnel GmbH hat die Marke IO Hawk übernommen.
Das bedeutet: Der Elite X 3.0 kommt.
Ich plane mit meinem Team aktuell einen weiteren neuen 12-Zoll-Scooter und wenn ihr diese Zeilen lest, befinde ich mich gerade auf der Canton Fair.
Wir wollen jedoch nicht zu viel ankündigen, sondern erst machen und dann darüber sprechen.
Wie ihr sicher mitbekommen habt, ist die Nextnel GmbH in neue Räumlichkeiten umgezogen.
Wir möchten alles kleiner, familiärer und persönlicher gestalten.
Das bedeutet für euch als Kunden: Auch wenn der Elite X 3.0 hier lagernd ist, müsst ihr manchmal etwas Zeit einplanen. Denn wir wollen jeden einzelnen E-Scooter über die Produktionsstraße in Krefeld laufen lassen und limitieren die Auslieferung und auch die Bestellung auf fünf Scooter pro Tag.
Außerdem möchten wir uns mehr Zeit für euch nehmen – für Beratung, Service und auch für die Abholung, die zu einem echten Erlebnis werden soll.
Das habe ich meiner Familie versprochen.
Die letzten zwei Jahre waren nicht leicht.
Ich habe Zeit gebraucht, um wieder zu mir zu finden.
Aber heute kann ich sagen:
Ich habe wieder diese Energie.
Diesen Antrieb.
Diesen Wunsch, etwas wirklich Neues zu schaffen.
Nicht einfach „noch ein Produkt“.
Sondern etwas, das heraussticht.
Ich verbringe viel Zeit damit, mir Gedanken zu machen, was man Neues und Innovatives entwickeln kann.
Mir geht es gesundheitlich wieder deutlich besser, und ich spüre zum ersten Mal seit Langem wieder den Wunsch, etwas Neues zu schaffen.
Aber ich möchte keinen Einheitsbrei.
Die letzten zwei Jahre sind nicht spurlos an mir vorbeigegangen, und ich habe wirklich Zeit gebraucht, um wieder zu mir selbst zu finden. Jetzt habe ich große Lust, IO Hawk wieder auf die Karte zu setzen, und ich arbeite unzählige Stunden an neuen Ideen.
Ich habe in dieser Zeit viel gelernt.
Vor allem eines:
Man erkennt erst in schwierigen Zeiten, wer wirklich hinter einem steht.
Meine Familie.
Einige wenige Wegbegleiter.
Und viele von euch.
Menschen, die geschrieben haben:
„Gib nicht auf.“
Dafür bin ich unendlich dankbar.
Wir starten nicht dort, wo wir aufgehört haben.
Wir starten neu.
Mit Erfahrung.
Mit Respekt vor dem, was war.
Und mit voller Energie für das, was kommt.
Neue Produkte werden kommen.
Neue Ideen entstehen bereits.
Aber dieses Mal gilt:
Erst machen. Dann reden.
Die Nextnel GmbH hat mir außerdem mitgeteilt, dass sie geschädigten Kunden Sonderkonditionen anbieten wird. Das freut mich sehr.
Ich wünsche mir außerdem, dass der Insolvenzverwalter die bereits angestoßenen Klagen weiter vorantreibt – und er hat meine volle Unterstützung.
Ich bin nicht gefallen, um liegen zu bleiben.
Vielleicht musste ich einmal zu Boden gehen,
um mich neu auszurichten.
Jetzt ist die Zeit, wieder aufzustehen.
Danke, dass ihr diesen Weg mitgeht.
Danke, dass ihr an IO Hawk glaubt.
Danke, dass ihr an mich glaubt.
IO HAWK
A Family Brand