Ein kleiner Rückblick zur Canton Fair für euch
Ich bin nach einigen Tagen wieder wohlbehalten aus Asien zurückgekehrt und die nächste Reise steht bereits für den 6. Mai fest.
Ich war sehr froh, dass ich meinen langjährigen Freund Anuj dabeihatte, mit dem ich seit über 43 Jahren befreundet bin. Er hatte ganz spontan zugesagt und wollte unbedingt einmal China kennenlernen.
Gesagt, getan – so flogen wir von Frankfurt nach Katar und von dort weiter nach Hongkong.
Ein etwas komisches Gefühl hatte ich allerdings schon. Ihr kennt ja sicherlich die aktuelle Situation im Nahen Osten, insbesondere im Hinblick auf den Iran-Konflikt.
Nach mehr als 19 Stunden sind wir schließlich in Hongkong gelandet und haben uns anschließend auf den Weg gemacht, mit der Fähre nach Shenzhen überzusetzen.
Ehrlich gesagt war ich ein wenig enttäuscht von Shenzhen, das ich seit fünf Jahren nicht mehr gesehen hatte. Man merkt deutlich, dass die großen Hardwarehersteller – insbesondere im Bereich Elektromobilität – zunehmend Richtung Ningbo und andere Regionen in China abwandern.
Irgendwie ist Shenzhen für mich nicht mehr das, was es einmal war. Vor etwa fünf Jahren war es noch meine absolute Lieblingsstadt. Ich habe noch nie einen Ort auf der Welt gesehen, an dem so viele Kulturen und Nationen aufeinandertreffen. Dieses Gefühl war diesmal – nach über fünf Jahren – einfach ein anderes.
Auch das Hilton Hotel in Shekou war nicht mehr dasselbe. Es hat sich unglaublich viel verändert.
Bis zum Jahr 2020 war ich mindestens 30-mal in Shenzhen. Mittlerweile ist es für mich eher eine typische, softwaregetriebene Stadt. Vielleicht war das aber auch nur mein persönlicher Eindruck, denn schon nach 24 Stunden machten wir uns weiter auf den Weg nach Guangzhou.
Tao Motor hatte für mich einige wichtige Termine auf der Messe geplant, aber ich war zunächst einmal froh, die Ingenieure und das Team wieder im Hotel zu treffen.
Der erste Messetag verging quasi im Flug. Am Ende des Tages zeigte mir meine Apple Watch, dass ich 23 Kilometer gelaufen bin.
Die Distanzen auf der Canton Fair sind unglaublich – ich habe in meinem Leben noch nie eine so große Messe gesehen.
Es war mein zweites Mal auf der Canton Fair, da ich diese Messe in der Vergangenheit eigentlich immer bewusst vermieden hatte. Aber meine Termine in Asien waren zu wichtig, um sie abzusagen.
Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, hatte ich einige Termine mit Kaabo. Wir haben nun offiziell angekündigt, dass wir wieder zusammenarbeiten. Tatsächlich läuft diese Zusammenarbeit bereits seit Mitte letzten Jahres, und wir befinden uns mitten in der Entwicklung eines neuen E-Scooters.
Ich bin Vanessa unglaublich dankbar, dass sie mehr als 10 Stunden Fahrt auf sich genommen hat, um mir die Möglichkeit zu geben, den E-Scooter zu testen.
Vom Fahrverhalten her bin ich mit dem Scooter sehr zufrieden. Allerdings gefällt mir die Batteriekapazität noch nicht ganz, und wir arbeiten aktuell daran, diese zu optimieren.
Ich war nun kurz in Deutschland und habe bei der Anfangsbewertung, die die Nextnel GmbH durchführen muss, unterstützt. Erst danach können die ABEs übertragen werden, und wir können insbesondere die App finalisieren.
Natürlich – und das ist kein Geheimnis – arbeiten wir auch am Elite X 3.0. Aktuell planen wir, die ersten zwei Container nach Deutschland zu holen, um hier die FIN-Nummern in die Fahrzeuge einzuprägen.
Dafür steht für mich in meiner neuen Position auch schon die nächste Reise an: In acht Tagen fliege ich nach Shanghai. Dort erwarten mich mehrere tausend Kilometer Zugfahrt sowie Besuche in vier Fabriken.
Ich möchte unbedingt das L7e-Fahrzeug realisieren, wie ihr wisst. Für mich ist das ein völlig neues Segment und deutlich komplexer als ein E-Scooter.
Habt ihr auf der Automesse in Peking die Vorstellung des neuen DENZA Z gesehen? Für mich ein absoluter Traum auf vier Rädern.
Xiaomi wird – soweit ich gehört habe – ebenfalls im zweiten Quartal 2027 in Deutschland im Automotive-Bereich durchstarten. Und ich kann euch sagen: Es ist beeindruckend und zugleich erschreckend, wie weit die chinesischen Elektroautos mittlerweile sind.
Als Deutscher finde ich das ein wenig traurig. Früher wurde ich bei jeder China-Reise nach BMW, Mercedes und der deutschen Nationalmannschaft gefragt – diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.
Europa hat das Know-how, aber Asien hat das Tempo. Wenn Deutschland nicht schneller skaliert, wird es vom Gestalter zum Zuschauer.
Was mich betrifft, stehe ich aktuell in China unter enormem Druck. Ich arbeite parallel an vier verschiedenen Produkten: zwei im E-Scooter-Segment und zwei im Automotive-Bereich.
Ich weiß, am Ende müssen wir nur ein Produkt – vielleicht zwei – wirklich veröffentlichen. Aber auf der Canton Fair wurden mir so viele spannende Projekte vorgestellt, dass ich mir zumindest die Details genauer anhören möchte.
Wir sind alle sehr dankbar, dass es mit IO Hawk weitergehen wird. Das bedeutet: Die Marke bleibt bestehen. Aber unser Ziel ist nicht mehr, die meisten E-Scooter zu verkaufen oder die größten Vorverkäufe zu erzielen.
Ich kann euch sagen: Ohne den enormen Support, den die Marke und auch meine Familie hier in Asien erfahren, wäre es fast unmöglich, diesen Weg weiterzugehen.
Eines unserer wichtigsten Credos ist es, Dinge richtig zu machen. Auch wenn das oft mit viel Zeit und Anstrengung verbunden ist, bin ich sehr dankbar, all das tun zu dürfen.
Manchmal fällt es schwer, nicht einfach alles sofort zu veröffentlichen und zu sagen: „In zwei oder drei Monaten kommt der Scooter.“ Aber wir haben uns bewusst für einen anderen Weg entschieden – und ich glaube, es ist der richtige:
Veröffentlichen, wenn das Produkt wirklich ab Lager verfügbar ist.
Trotzdem informiere ich euch gerne in diesem Blog über die ein oder andere Besonderheit. Weil ich einfach weiß, viele von euch interessiert das wirklich.
Bis bald aus China !
Sascha Arndt


